Leinen ist der ehrlichste Stoff im Sommerschrank: atmungsaktiv, kuehlend und mit einer Patina, die viele Synthetikfasern nie erreichen. Trotzdem landet manches Leinenteil nach einer Saison ausgeleiert oder vergraut in der Ecke. Das muss nicht sein. Mit der richtigen Pflege wird Leinen mit jedem Jahr schoener.
Waschen ohne Reue
Anders als oft behauptet, vertraegt Leinen die Maschine gut, solange man bei 30 bis 40 Grad bleibt und auf einen Schonwaschgang setzt. Wichtig ist ein mildes Waschmittel ohne optische Aufheller, denn diese koennen die natuerliche Farbe ungleichmaessig veraendern. Auf Weichspueler verzichte ich grundsaetzlich: Er legt einen Film auf die Faser und nimmt dem Leinen genau die griffige Struktur, die es so besonders macht.
Trocknen und der Umgang mit Falten
Leinen knittert, das gehoert zu seinem Charakter. Wer es glatter mag, haengt das feuchte Teil direkt nach dem Waschen auf und zieht es leicht in Form. Der Trockner ist tabu, weil hohe Hitze die Faser bruechig macht und das Teil eingeht.
- Im Schatten trocknen, nie in praller Sonne
- Leicht feucht buegeln, dann gleitet das Eisen muehelos
- Mit der Faserrichtung buegeln, nicht quer dazu
Lagern fuer die naechste Saison
Am Saisonende sollte Leinen sauber und vollstaendig trocken eingelagert werden, sonst drohen Stockflecken. Statt Plastikhuellen empfehle ich atmungsaktive Stoffbeutel. So bleibt der Stoff luftig und nimmt keinen muffigen Geruch an.
Ein kleiner Trost fuer alle, die mit dem Knittern hadern: Genau diese Lebendigkeit unterscheidet Naturmaterial von Kunstfaser. Leinen darf gelebt aussehen. Wer das akzeptiert, gewinnt einen Begleiter, der ueber viele Sommer hinweg besser wird statt schlechter.